Am 28. Juni 2020 starb Prof. Dr. Dr. Horst Kächele im Alter von 76 Jahren. Seine Familie war bei ihm. Die großen Verdienste von Prof. Kächele für die psychoanalytische und wissenschaftliche Welt können andere besser würdigen als ich: Frau Prof. Dr. Leuzinger-Bohleber bezeichnet ihn in einem Nachruf als Marathonläufer der Psychotherapieforschung. Prof. Kächele als stets freier, kritischer und manchmal wilder Geist war immer offen für andere Methoden der Psychotherapie jenseits der Richtlinien-Verfahren, so auch für die Konzentrative Bewegungstherapie. 

1997 kam auf Betreiben der KBT-Kollegin und Mitarbeiterin von Prof. Kächele, Susanne Wiede, und Sylvia Keller-Kropp, damals im Vorstand des DAKBT e.V. ein Treffen mit Prof. Kächele zu Stande, an dem auch ich teilnahm. Prof. Kächele war zu dieser Zeit ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Ulm und empfing uns in seinem Büro im Hochsträß. Er trug edle Schuhe und einen feinen Anzug und erklärte uns, wie Forschung und KBT gehen könnte. Wir KBT-Praktiker*innen waren tief beeindruckt und mit unserer Performance nicht wirklich zufrieden und waren sehr erleichtert, dass kurze Zeit später die Planung für die 1. KBT-Forschungswerkstatt stand.

Prof. Kächele hatte für uns mit Prof. Bernhard Strauss, Prof. Volker Tschuschke und Prof. Jürgen Eckert hochkarätige Referenten gewonnen und stellte uns die Räumlichkeiten der ehemaligen Hochschule für Gestaltung am Ulmer Hochsträß zur Verfügung. Als im Januar 1998 die 1. KBT-Forschungswerkstatt stattfand, erkannte ich Prof. Kächele zuerst nicht wieder: Er trug ein altes Sakko, die Haare standen in alle Richtungen und er war äußerst missgelaunt. Das war für uns nicht einfach auszuhalten, aber gerade das machte Prof. Kächele zu einem zutiefst authentischen Menschen. Prof. Kächele lehrte uns unermüdlich, manchmal ungeduldig, aber immer warmherzig den Unterschied zwischen klinischen und wissenschaftlichen Debatten. Es kam zur Gründung der KBT-Forschungsgruppe und mit Dr. Karin Schreiber-Willnow, Dr. Anke Hamacher-Erbguth, Prof. Dr. Klaus-Peter Seidler und Martin Pfäfflin (später Alexandra Epner und Swantje Grützmacher) übernahmen geeignetere Köpfe das Projekt und wir Praktiker*innen konnten uns aus der Organisation zurückziehen. 

Für die KBT und den DAKBT e.V. war es der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Zwischen 1998 und 2018 fand jährlich im Frühjahr die Forschungstagung des DAKBT statt. Hier wurden Methoden zur Erforschung der KBT als Therapieverfahren erarbeitet sowie empirische Untersuchungen zur KBT vorgestellt. Die Werkstatt stellte ein Forum dar für den Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und praktizierenden KBT-Therapeut* innen. 2004 endete nach 6 Jahren die Forschungswerkstatt in Ulm: Wieder war Prof. Kächeles kantige Seite ein Motor für unsere Entwicklung – er teilte mit, dass wir nun erwachsen seien und uns einen neuen Platz für die Forschungswerkstatt suchen sollten, den wir dann an der Rhein-Klinik in Bad Honnef fanden. Bei der 15. KBT-Forschungswerkstatt 2013 war Prof. Kächele ein letztes Mal als Referent bei uns. Die Ankündigung lässt noch heute schmunzeln: „Horst Kächele wird uns auf seine ganz eigene Art darüber aufklären, was einen guten Therapeuten ausmacht.“ Die KBT verliert mit Prof. Kächele einen wohlwollenden, fordernden und kritischen Mentor! Wir danken ihm von Herzen! 

Ravensburg, 30.06.20

Roland Brückl
Lehrbeauftragter und Supervisor für KBT
Erzbergerstr. 27 – Praxis: Rudolfstr. 36
88214 Ravensburg
Tel.: 0751-7642789
Mobil: 01525-3445961
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kbt-ravensburg.de

Klaus-Peter Seidler et al.: Negative Therapiefolgen körperorientierter Gruppenpsychotherapie am Beispiel der Konzentrativen Bewegungstherapie

In einer aktuellen Studie der Forschungsgruppe des DAKBT wurden 251 Patient*innen am Ende einer (teil-)stationären Psychotherapie befragt, wie sie die KBT-Gruppentherapie beurteilen und welche negativen Wirkungen sie erlebt haben. Erste Ergebnisse sind in der Zeitschrift Psychotherapeut online am 3.6.20 veröffentlicht worden, demnächst auch in der Papierversion. Es zeigte sich, dass über die Hälfte der Patient*innen Beschwerden beschrieben, die sie als negative Behandlungseffekte des methodischen Vorgehens in der KBT und der Therapeut*innen erlebten. Hingegen wurden Beeinträchtigungen infolge des Gruppentherapie-Setting nur in geringem Ausmaß angegeben. Die angeführten negativen Therapiefolgen unterschieden sich nicht von denen in anderen Therapieverfahren.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden Sie hier.

 

Die weitergehenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen lassen uns hoffen, dass unsere Tagung vom 15. bis 18. Oktober stattfinden kann, wenn auch unter angepassten Bedingungen. Wir freuen uns auf leibhaftige Begegnungen.

Anmeldungen sind jetzt möglich. Wir müssen uns vorbehalten, die Entscheidung über die Durchführung kurzfristig zu ändern.

Anke Hamacher-Erbguth, Regina Schrack-Frank, Karin Schreiber-Willnow

pdfJaTa-Flyer_2020.pdf
pdfHygienekonzept-Jahrestagung-2020


Anschreiben des Vorstands zur Corona-Lage

Liebe Kolleg*innen,
liebe Besucher*innen der Homepage,

das Coronavirus hat unser Leben, wie wir es kannten, verändert. Wir im DAKBT sind - wie viele andere auch - damit beschäftigt, einen angemessenen Umgang mit der Situation zu finden. Sie ist für uns Menschen und für viele Institutionen global eine immense Herausforderung. Unsere Planungen sind eingeschränkt und wir wissen noch nicht, welche sozialen, psychischen und wirtschaftlichen Folgen sich entwickeln werden.

Von uns allen wird verlangt, soziale Distanz zu halten. Räumlicher Abstand ist notwendig, um uns und andere zu schützen, bei gleichzeitigem feinfühligen Umgang mit Belastungen.

Wir Therapeut*innen haben jetzt eine besondere Herausforderung zu bewältigen. Einerseits sind wir selber betroffen und haben möglicherweise Zukunftsängste, andererseits müssen wir Menschen in Kliniken und Praxen unterstützen, als Gegenüber zur Verfügung stehen und zunächst den verantwortlichen Umgang mit der akuten Situation bewältigen zu helfen.

Welche Aufgaben wir in der Zukunft zusätzlich noch haben werden, wird sich zeigen. Durch die erfahrenen Einschränkungen im „natürlichen“ körperlichen Miteinander und in der Mimik durch das Tragen von Schutzmasken können wir als KBT-Therapeut*innen in der praktischen Tätigkeit, in Forschung und Lehre neue Erkenntnisse gewinnen, die unsere Position in der therapeutischen Landschaft auch stärken könnte. Die Themen Körperkontakt und zwischenleibliche Begegnung werden in naher Zukunft sicherlich komplex diskutiert. Als Expert*innen für Körperpsychotherapie können wir unseren fachspezifischen Beitrag dazu leisten.

Wir als DAKBT-Vorstand versuchen Sie mit den notwendigen Informationen zu versorgen und inhaltliche Diskussionen zu ermöglichen. Dazu unterstützen wir das Projekt „KBT in Zeiten von Corona“.

Wir wünschen Ihnen in dieser Zeit alles erdenklich Gute und vor allem Gesundheit.

     Vorstand:  Ute Backmann
                        Waltraut Betker
                        Dr. Rudolf Kost


„KBT in Zeiten von Corona“: Ein Projekt für die Mitglieder des DAKBT e.V. – Erste Ergebnisse

Liebe KBT-Kolleginnen und Kollegen,

wir haben Sie/Euch Anfang April 2020 eingeladen bei unserem Projekt „KBT in Zeiten von Corona“ mitzumachen und es sind bis heute 18 Rückmeldungen eingegangen. Wir hatten Sie/Euch gebeten uns Ihre/Eure Eindrücke zu folgenden Leitfragen zu schicken:

  • Wie haben sich Ihre/Deine Arbeitsbedingungen in der Arbeit mit KBT in Klinik, Praxis und Weiterbildung verändert?
  • Was für Veränderungen in der Arbeit mit KBT nehmen Sie/nimmst Du in der Arbeit mit KBT mit Patient*innen wahr?
  • Wie verändert sich Ihre/Deine Arbeit mit KBT? Auf welchen anderen Wegen kommen Sie/kommst Du ans Behandlungsziel?

Wir haben zum Teil sehr persönliche Rückmeldungen erhalten, in denen Befürchtungen über die eigene Gesundheit oder die nahestehender Menschen geäußert wurden, aber auch über die Zukunft der Klinik oder der eigenen Praxis.

KBT in der Klinik…

Sehr eindrucksvoll ist, wie unterschiedlich in den Kliniken auf die Corona-Pandemie reagiert wurde: Manche Kliniken haben ihre psychosomatischen/psychotherapeutischen/psychia-trischen Stationen geschlossen, um Betten für an Covid-19 erkrankte Patient*innen vorzu-halten oder haben Patient*innen, die zu vulnerablen Gruppen gehören, entlassen oder nicht mehr aufgenommen. Die Information der Klinikleitungen darüber wurde nicht immer als strukturiert und transparent wahrgenommen, zum Teil als sehr direktiv. Dies wird in den Rückmeldungen als sehr belastend erlebt. Umgekehrt aber auch als unterstützend und motivierend, wenn die Kommunikation zeitnah und die Maßnahmen nachvollziehbar sind. In einem Teil der Kliniken finden die Team-Sitzungen und Kontakte vor allem per Telefon oder Video statt, in anderen Kliniken versucht man die Team-Besprechungen im persönlichen Austausch durchzuführen, auch dies wird von den KBT-Kolleg*innen als äußerst wichtig erlebt.

Interessant ist auch der unterschiedliche Umgang mit Hygienevorschriften in Bezug auf die Verwendung unserer KBT-Gegenstände, in manchen Einrichtungen genügt die Desinfektion der Hände vor und nach der KBT-Stunde, in anderen Einrichtungen müssen die Gegenstände vor und nach der Benutzung desinfiziert oder dürfen nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden. Alle Kliniken scheinen mit reduzierter Belegung zu fahren, daher sind die KBT-Gruppen deutlich kleiner, was von den Kolleg*innen meist als sehr positiv erlebt wird. Es gibt aber Stimmen, die zu kleine Gruppen (weniger als sechs Teilnehmer*innen) für problematisch halten, da wichtige gruppendynamische Prozesse nicht mehr in Gang kommen und auch das Lernen am Modell leidet. Zum Teil wurden durch kleinere Gruppen auch die Gruppenzeiten verkürzt. In manchen Klinken wurden die Gruppentherapien eingestellt und die Patient*innen bekommen KBT-Einzeltherapie. Dies wird auch als Chance gesehen im klinischen Rahmen wieder mehr KBT-Einzeltherapie zu etablieren. Auch das Tragen von Schutzmasken wird in den Kliniken sehr unterschiedlich gehandhabt, in einem Teil der Kliniken werden Abstand, Hygiene, Atemschutz (durch häufiges Lüften und mit Schutzmaske, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann) sowie Kontaktreduzierung (Besuchsverbote) als ausreichend erachtet, in anderen Kliniken müssen Patient*innen und Therapeut*innen in KBT-Gruppen und Einzeltherapien generell Schutzmasken tragen (welche Schutzmasken dies genau sind, wird nicht ausgeführt). Die Maskenpflicht wird von allen KBT-Kolleg*innen als unangenehm empfunden, da das Atmen eingeschränkt ist und wichtige mimische Informationen fehlen. Eine Kolleg*in berichtet von einem kreativen Umgang auf einer Station für Kinder und Jugendliche. Diese haben ihre Masken bemalt (hygienisch betrachtet nicht wirklich ok, der Verfasser) und so entsteht eine neue Information über die Person. Die KBT-Kolleg*in überlegt künftig Masken in ihr KBT-Repertoire aufzunehmen.

Alle KBT-Kolleg*innen erleben sich beeinträchtigt durch das Abstandsgebot und das Fehlen von Angeboten oder therapeutischem Handeln mit Berührung. Auch die Patient*innen nehmen das wahr, auch ihnen fehlt die KBT, die sie kennen mit den Erfahrungen von Nähe und Berührung, der spontane Zugriff auf Gegenstände, das spontane und manchmal wilde Ausprobieren. Es wird beschrieben, dass die Patient*innen sehr froh sind in der Klinik an einem sicheren Ort zu sein mit gesicherten Kontakten (u.U. mehr als in der häuslichen Situation unter Corona-Bedingungen) und auch sehr dankbar über die Therapieangebote unter deutlich erschwerten Bedingungen. Natürlich fehlen auch den Patient*innen, die spontane Nähe zu den Mitpatient*innen, die oft so wichtigen Freizeitaktivitäten und die Besuche von Verwandten und Freunden sowie die Möglichkeit von Belastungserprobungen. Eine Kolleg*in beschreibt, dass durch das gemeinsame Erleben der Corona-Pandemie und ihrer Folgen auch eine neue Nähe mit den Patient*innen entstanden sei, da ja alle – Patient*innen wie Therapeut*innen – betroffen sind.

…und in der Praxis

Der größere Teil der Rückmeldungen kommt von KBT-Kolleg*innen, die in Kliniken arbeiten, einige davon arbeiten auch in eigener Praxis, der kleinere Teil stammt von KBT-Kolleg*innen, die ausschließlich in der Praxis arbeiten. Hier zeigt sich ein Unterschied im Erleben der ambulanten Patient*innen und Klient*innen: Die persönliche Bedrohung durch das Sars-CoV-2-Virus und der Level von Angst und Anspannung der ambulanten Patient*innen wird deutlich höher erlebt als bei den Patient*innen in der Klinik. Die KBT-Kolleg*innen in den ambulanten Praxen waren zu Beginn der Corona-Pandemie von vielen Absagen betroffen und betreuten ihre Patient*innen und Klient*innen telefonisch und auch per Video, allerdings hat sich dies in den vergangenen Wochen bereits verändert und die Therapien finden wieder mehr in den Praxen statt. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Lage dort entwickelt, vor allem in Hinblick auf neue Anmeldungen. Die Kontakte per Telefon oder Video werden insgesamt als anstrengend erlebt, aber auch als hilfreich zur Überbrückung. Die KBT-Kolleg*innen in den ambulanten Praxen halten sich sehr genau an die Vorschriften bezüglich Abstand – Hygiene – Atemschutz und tragen zum Teil Schutzmasken.

Eine Kollegin fasst die Veränderung der Arbeitsbedingungen kurz und treffend zusammen: „Alles aufwändiger, mehr planen, mehr putzen.“

Ideen für die praktische Arbeit

Es ist sehr beeindruckend, wie die KBT-Kolleg*innen sich auf die für uns alle neue Situation eingestellt haben. Einige berichten, dass die Patient*innen in den KBT-Gruppen im Stuhlkreis sich problemlos an die Abstandsregel halten, aber der verbale Austausch zu Beginn länger dauert und auch wenn nicht über Corona gesprochen wird, das Thema Corona immer im Raum steht. Durch die kleineren Gruppen ist mehr Raum für die einzelnen Teilnehmer*innen. Insgesamt hat sich der Fokus in den KBT-Gruppen von der Gruppendynamik auf das Erleben des Einzelnen verlagert. Allerdings werden auch Angebote in Zweiergruppen mit Stab und Seil als Medium beschrieben, mit denen der Abstand eingehalten werden kann. Eine Kollegin beschreibt, dass sie die Arbeit mit einem großen Schwungtuch wiederentdeckt habe und so eine Gruppenaktivität in Gang bringen könne, bei der sich auch die Dynamik in der Gruppe entfalten könne. Mehrere KBT-Kolleg*innen berichten, dass sie wieder häufiger Gruppen in der Natur machen würden, wobei besonders die Sinneswahrnehmung angesprochen würde. Insgesamt fällt auf, dass fast alle KBT-Kolleg*innen mehr ressourcenorientierte und ich-stärkende Angebote machen, was in Krisenzeiten natürlich auch passend ist. Dazu gehört auch eine deutlich stärkere Strukturierung der KBT-Stunden und Angebote, um Halt und Sicherheit zu vermitteln. Eine Kollegin beschreibt, wie sie in einer Einzeltherapie ihrer Klientin über eine lange Stoffbahn Halt spürbar macht. Die Klientin hat dabei die Stoffbahn im Rücken, die Therapeutin hält diese mit ihren Händen an den Enden. Neben dem Thema Halt und Sicherheit wird von vielen KBT-Kolleg*innen, die Arbeit an den Grenzen erwähnt, an den eigenen Körpergrenzen, wie an den Grenzen zu anderen und auch daran, wann die Grenze erreicht ist, wie viele Informationen und Gespräche über die Corona-Pandemie verkraftet werden können.

Mehrere KBT-Kolleg*innen betonen die Wichtigkeit von Gegenständen, die ganz real eingesetzt werden, vor allem zu einer intensiveren Körperwahrnehmung, wie auch als intermediäres Objekt, vor allem um mit dem gebotenen Abstand in Kontakt zum Gegenüber zu kommen und natürlich auch auf der Symbolebene. Eine Kollegin schreibt, dass wohl unser Begriff von Nähe und Abstand neu definiert werden müsse und das sollten wir sicher im Auge behalten. Es geht selbstverständlich immer wieder um die Regulation von Angst und Stress. Hier wird oft die Arbeit mit dem Atem genannt, auch über die Selbstberührung und um in Kontakt mit sich zu kommen. Das ist in der Tat spannend, da Covid-19 ja eine Lungenerkrankung ist und die Schutzmasken unseren Atem nicht gerade frei fließen lassen. Aber auch ein Ballspiel mit klaren Regeln wird als probates Mittel genannt, um Stress abzubauen, das Grübelkarussell zu stoppen und spielerisch in Kontakt zu kommen.

Fazit

Unsere klassische strukturierte Körperarbeit mit der Wahrnehmung des Liegens, Sitzens, Gehens und Stehens erlebt eine Renaissance in Zeiten von Corona. Bewegen wir uns in der Krise „back to the roots“ zu Mutter Gindler? Den Satz von Helmuth Stolze „Wenn es so nicht geht, dann geht es anders!“ scheinen wir alle bestens verinnerlicht zu haben. Es ist wirklich höchst beeindruckend, mit welcher Kreativität und Wandlungsfähigkeit die KBT-Kolleg*innen ihre Arbeit an die Situation anpassen – jede Stunde scheint neu erfunden zu werden! Und dennoch wird auch – und das völlig zu Recht – der Verlust von therapeutischen Möglichkeiten beklagt. Eine Kollegin schreibt: „Manchmal schaue ich mehr, was ich überhaupt anbieten kann, als danach, was jetzt prozesshaft passen würde.“

Wir danken allen Kolleg*innen herzlich für die zum Teil berührenden Rückmeldungen, die Offenheit und das Vertrauen, mit dem diese uns allen Einblick in den Arbeitsalltag von „KBT in Zeiten von Corona“ gewährt haben. Wir möchten das Projekt gerne fortsetzen und freuen uns über weitere Rückmeldungen, vielleicht haben Sie/habt Ihr Lust kleine Fallvignetten über Eure Arbeit zu schreiben (weiter an Roland Brückl: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Wir, Ute Backmann und Roland Brückl, werden über den weiteren Verlauf des Projekts „KBT in Zeiten von Corona“ bei der Jahrestagung im Oktober 2020 berichten und mit Ihnen/Euch über die Veränderungen in unserer Arbeit diskutieren.

Herzliche Grüße,

Ute Backmann und Roland Brückl

 

 

 

                                  

Liebe Kolleg*innen, liebe Besucher*innen unserer Homepage,

nun ist es soweit – wie auf der Jahrestagung 2019 angekündigt, haben wir, Karin Hartwig und Susanne Wagner aus Nürnberg, als neue AG Öffentlichkeitsarbeit das Amt von Christine Breitenborn und Anke Hamacher-Erbguth übernommen. Die Übergabe fand wegen der Corona-Pandemie in zwei Videokonferenzen statt.

Auch wenn es die aktuelle Situation nur beschränkt zulässt, werden wir uns nach und nach in die Pflege und Bearbeitung unserer Homepage und unseres Archivs einarbeiten. Dazu werden wir noch Einweisungen von Uschi Schönberger aus der Geschäftsstelle und einer Mitarbeiterin der Firma tec promotion, die unsere Homepage hostet, erhalten.

Damit die Homepage lebendig und interessant bleibt und immer wieder Neues bietet, brauchen wir auch Euch!

Wir freuen uns über…

  • Hinweise auf Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse, die für KBT-Therapeut*innen interessant sein könnten
  • Berichte von Veranstaltungen, die Ihr besucht oder durchgeführt habt
  • Eure Veröffentlichungen in Fachliteratur
  • Tipps zu spannenden KBT-relevanten Büchern, Filmen und anderen Medien
  • Neuigkeiten aus KBT-relevanter Forschung
  • Rezensionen von Büchern und Artikeln, die Ihr gelesen habt

Außerdem sind wir Euch dankbar für Tipps, Ideen und Anregungen, die die Öffentlichkeitsarbeit und die Gestaltung der Homepage betreffen.

Ihr erreicht uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wir sind gespannt auf Eure Rückmeldungen!

Herzliche Grüße

Susanne Wagner und Karin Hartwig
(im Bild von links nach rechts)

 

Zwei Jahre nach dem Ende der KBT-Forschungswerkstatt fand am 28. und 29. Februar 2020 zum ersten Mal eine KBT-Zukunftswerkstatt in der Rhein-Klinik in Bad Honnef statt.

      1.     Vorbereitung

Bereits seit Sommer 2018 hatte sich zur Vorbereitung der ersten Veranstaltung dieses Formates eine zunächst 5-köpfige „Arbeitsgruppe Zukunftswerkstatt“, bestehend aus Andrea Balcerzak, Susanne Anna Kümmel, Tatjana Pannek, Henrik Süß und Susanne Wagner, getroffen. Tatjana Pannek schied im November 2019 aus der Gruppe aus.

Schon bei den ersten Treffen wurde deutlich, dass die Herausforderungen, vor denen der DAKBT als Verein, aber auch die einzelnen Mitglieder in ihrer Eigenschaft als Therapeut*innen künftig stehen werden, vielfältig sind. So gehen immer mehr Kolleg*innen in den Ruhestand; darunter sind viele, die sich in besonderer Weise für den Verein und die KBT als Methode engagieren, wie im Rahmen einer Lehrbeauftragung und/oder in anderen Ämtern und Gremien. Zunehmend wird deutlich, dass es für diese Aufgaben an motiviertem Nachwuchs fehlt. Veränderungen gibt es auch außerhalb des Vereins, wie die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens und die geplanten Änderungen am Heilpraktikergesetz. Sie stellen die KBT in Deutschland bereits heute vor die Notwendigkeit, altgediente Konzepte zu verteidigen oder möglicherweise anzupassen und sich (neu) zu positionieren. Darüber hinaus fordert der gesellschaftliche Wandel, beispielsweise durch die Digitalisierung, Antworten von der KBT als Methode und nicht zuletzt auch vom Verein im Bereich der internen Kommunikation und der Außenwirkung.

Die Arbeitsgruppe machte sich im Hinblick darauf zum Ziel, den Mitgliedern des DAKBT einen Rahmen zur Ermittlung des Status quo, Raum zur Ideenfindung und eine Plattform für erste Schritte der Weiterentwicklung ihres Vereins zu geben.

Das Veranstaltungsthema sollte lauten:

„Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Generationenwechsel im DAKBT“

Nach der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Partizipationsmethoden entschied sich das Vorbereitungsteam für die Methode „Zukunftswerkstatt“ nach Jungk, Lutz und Müllert als Tagungs- und Moderationsformat. Die Übereinstimmung in der Bezeichnung der Methode und dem Namen der Arbeitsgruppe ist dabei rein zufällig!

In zahlreichen Gremientreffen und Telefonkonferenzen entstand durch intensive Einarbeitung in die Methode und deren Anpassung an unsere KBT- und vereinsspezifischen Gegebenheiten ein umfassendes Tagungskonzept. Auch ein Referent zum Thema Generationenwechsel in Vereinen konnte nach langer Recherche gefunden werden.


      2.     Die Zukunftswerkstatt am 28./29. Februar 2020

Die Zukunftswerkstatt begann mit der Begrüßung durch den ärztlichen Direktor der Rhein-Klinik, und durch Ute Backmann für den Vorstand des DAKBT.

Andrea Balcerzak führte als Mitglied der AG Zukunftswerkstatt und Mitarbeiterin der Rhein-Klinik in die organisatorischen Gegebenheiten und Besonderheiten der Tagung ein.

      2.1.  Vortrag Zwischen Bewahren und Veränderung - Gelingensbedingungen für den
              Generationenwechsel

Susanne Wagner stellte Stephan Bock, den Referenten für den Einführungsvortrag zur Werkstatt, vor. Als Kulturmanager und systemischer Supervisor (DGSv) hat er einen großen Erfahrungsschatz in der Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen und Vereinen im Bereich Soziokultur.

Den Fragen aus dem Titel unserer Zukunftswerkstatt „Wo stehen wir – wo wollen wir hin?“ fügte er gleich zu Beginn seines Vortrages eine weitere hinzu: „Woher kommen wir?“
Er verwies damit auf die Notwendigkeit, bei allen anstehenden Veränderungen den Blick auf die Wurzeln nicht zu vergessen und verbildlichte dies mit der Darstellung des Stammbaumes der KBT, beginnend bei Elsa Gindler.

Der Bestimmung der Begriffe 'Generation' und 'Generationenwechsel' folgte eine Skizzierung des langjährigen Arbeitsfeldes des Referenten, der Soziokultur. Diese entstand in den 70er Jahren als Gegenentwurf zur staatlich organisierten 'Hochkultur' für Eliten, als 'Kultur von unten' und 'Kultur für alle' in ehrenamtlicher Selbstverwaltung.

Im Weiteren verglich Bock die weiblich geprägte KBT mit der eher männlich geprägten Soziokultur und zitierte dabei mehrfach aus der Festschrift zum 40-jährigen Jubiläum des DAKBT. Er fand sowohl in der Entstehung als auch in der weiteren Entwicklung beider Felder Parallelen. Von anfänglicher Vielfalt, von Visionen und freiem Experimentieren in den 70er Jahren sei es in beiden Bereichen zunehmend zu Formalisierung und Institutionalisierung gekommen. Dies sei ein Spannungsfeld, in dem sich KBT und Soziokultur bis heute bewegten. Bock verwies diesbezüglich auf Helmuth Stolzes Einwände gegen die „Formalisierung des therapeutischen Prozesses“ im Zuge der Vereinsgründung des DAKBT.

Er lobte die kontroverse Diskussionskultur im DAKBT ausdrücklich und strich diese als wesentliches Merkmal für die Lebendigkeit eines Vereins heraus, die es weiterhin zu erhalten gelte. Zwar biete die basisdemokratische Organisationsform „Verein“ die beste Möglichkeit, freies Denken und feste Strukturen unter einem Dach zu vereinen, sie stehe aber insbesondere in der heutigen Zeit zunehmend vor der Herausforderung, dass nur wenige sich auf Dauer für ein zeit- und energieaufwändiges Ehrenamt neben ihrer Berufstätigkeit entscheiden. Im Hinblick darauf regte er an, auch über zeitlich begrenzte Kollaborationen und Kooperationen nachzudenken.

Anschließend befasste sich Bock eingehend mit der Gestaltung von Generationenwechseln, dem „Change-Management“. Generationenwechsel seien dadurch gekennzeichnet, dass Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und damit auch mit unterschiedlicher generationaler Prägung, also altersspezifischen Werten, Erfahrungen und Bedürfnissen, auf einander treffen. Für den Wechsel seien Vertrauensbeziehungen zwischen den Altersgruppen dringend notwendig, innerhalb derer Differenzen gegenseitig anerkannt werden müssen. Es bestehe ein Spannungsverhältnis zwischen Innovation auf der einen und Tradition auf der anderen Seite. Für einen gelingenden Generationenwechsel, der die Existenz einer Organisation und auch den Transfer von Wissen sichert, sei es notwendig, beides zu verbinden. Bock zitierte Gertrud von Peschke, die sich zu den „geborenen“ KBT-Lehrbeauftragten der ersten Generation zählte, im Gegensatz zu den „gelernten“ Lehrbeauftragten späterer Generationen. Im Hinblick auf einen gelingenden Generationenwechsel im DAKBT regte er an darüber nachzudenken, ob und wie es möglich sein könnte, dass auch spätere Generationen zu „Geborenen“ werden könnten. Darüber hinaus sei es wichtig zu klären, wer die Deutungshoheit über die Methode innehat, wieviel Offenheit für Innovation besteht, welche Handlungsspielräume und Grenzen es für eine Weiterentwicklung gibt und wie Aufbruchsstimmung im DAKBT erzeugt werden könnte.

Von besonderer Bedeutung sei es zudem, sich klar darüber zu werden, welches Alleinstellungsmerkmal die KBT und der DAKBT haben. Er schlug vor, sich dazu folgende Fragen zu beantworten:

1. Stellen sie sich vor, KBT hätte auf breiter Ebene Erfolg; wie würde unsere Gesellschaft in zehn oder zwanzig Jahren aussehen?
2. Warum ist die Konzentrative Bewegungstherapie so wichtig und sinnvoll? Was kann sie bewirken und verändern; bei den einzelnen Menschen, aber auch in der Gesellschaft, im Gesundheitswesen?

Abschließend merkte er an, dass es auch lohnenswert sein könnte, über die Präsenz der KBT in den sozialen Netzwerken nachzudenken.
Der Vortrag fand breiten Zuspruch bei den Teilnehmer*innen, insbesondere, weil der Referent sich sehr intensiv in die Geschichte der KBT und die Strukturen unseres Vereins eingearbeitet hatte. Es schloss sich eine lebendige Frage- und Diskussionsrunde an, die dann in eine Pause mündete.


      3.     Arbeit in der Zukunftswerkstatt

Nach der Pause präsentierte Henrik Süß Daten und Zahlen zum DAKBT, die den anstehenden Generationenwechsel verdeutlichten. Das Eintrittsalter neuer Mitglieder liegt konstant über 40 Jahren. Die meisten Gremienmitglieder und Lehrbeauftragten finden sich unter den über 60-jährigen. Es zeigte sich außerdem, dass viele Mitglieder dieser Altersgruppe nicht nur ein, sondern mehrere Ämter innehaben.

Susanne Anna Kümmel skizzierte anschließend den Prozess der AG Zukunftswerkstatt vom Beginn bis zum Zeitpunkt der Veranstaltung. Nachfolgend führte sie in die Methode Zukunftswerkstatt ein, die sich in drei Phasen gliedert:

      1.     Beschwerde- und Kritikphase
      2.     Fantasie- und Utopiephase
      3.     Realitäts- und Verwirklichungsphase

Die Phasen verlaufen jeweils nach dem Prinzip eines Trichters: Zunächst wird in Kleingruppenarbeit eine Vielfalt an Ideen und Gedanken gesammelt, der Trichter ist weit. Die Gedanken werden im Plenum sortiert und zu Rubriken zusammengefasst, mit denen dann wieder weitergearbeitet wird, sodass der Trichter sich verengt. Für jede Phase gelten besondere Regeln, die verhindern sollen, dass die Teilnehmenden sich in Diskussionen verzetteln.

Nach ausführlichem Input konnte mit dem Beginn der Beschwerde- und Kritikphase nun der Einstieg in das eigentliche 'Werken' erfolgen. In sechs Kleingruppen, die in verschiedenen Gruppenräumen der Rhein-Klinik Platz fanden, sollte folgende Kritikfrage bearbeitet werden:

Welche Probleme siehst du für die KBT in der Zukunft und welche Ängste hast du, wenn du an den Generationenwechsel im DAKBT denkst?

Die Ergebnisse sollten stichpunktartig auf A4-Blättern festgehalten werden. In der anschließenden Plenumsrunde wurden die Blätter dann auf dem Boden ausgelegt und gemeinsam sortiert. Auf diese Weise konnten sogenannte 'Kritikrubriken' entstehen.

ZuWe 2020 Rubizieren klein

Kritik, Probleme und Ängste gestalteten sich vielfältig: Die Angst vor dem Verlust des Erfahrungswissens in der Zukunft, die finanzielle Belastung während der Weiterbildung, der geringe Einfluss und der unklare Platz der KBT in der deutschen Psychotherapielandschaft, die mangelnde Präsenz in sozialen Netzwerken und neuen Medien, die fehlende Bereitschaft der jungen Generation bei der Ämterübernahme, die Angst vor der Abschaffung des Heilpraktikerberufes und vieles mehr.
Die Teilnehmer*innen waren nun aufgefordert, sich die Rubrik auszusuchen, die bei ihnen das größte Interesse zur Weiterarbeit weckte. Auf diese Weise entstanden wieder sechs Kleingruppen, diesmal jedoch in anderer Zusammensetzung als in der ersten Runde.

Nach einer Pause ging es für die Kleingruppen darum, in einem Experiment Probleme und Kritik für den restlichen Tag abzuschütteln.
Sie erhielten die Aufgabe, ein rohes Ei so zu verpacken, dass es von einem Balkon im 2. Stock geworfen werden konnte, ohne dabei zu Bruch zu gehen. Jede Gruppe bekam dazu eine Tüte mit einer Rolle Tesafilm, 4 Meter Paketschnur, 2 Luftballons und 2 Bögen A3-Papier.
Es entstanden sechs sehr unterschiedliche Lösungen für das 'Eierproblem'. Jede Gruppe wurde auf ihre ganz eigene Art kreativ. Der Höhepunkt war schließlich, die Eier vom Balkon eines Nebengebäudes fallenzulassen.
Vier Eier überstanden das Experiment am Abend unbeschadet, nur zwei Eier gingen zu Bruch. (Am nächsten Morgen stellte sich jedoch heraus, dass ein Ei, das in Tesafilm verpackt war, den Aufprall auf dem Boden doch nicht so heil überstanden hatte, wie noch am Abend vermutet.)

Nach dem Experiment war es Zeit für das gemeinsame Abendessen von einem reichhaltigen Buffet. Wer anschließend noch Lust hatte, konnte den Abend im Gewölbekeller der Rhein-Klinik bei Musik und Tanz ausklingen lassen.

      3.2.    Fantasie- und Utopiephase

Am Samstagmorgen hatten die am Vortag gebildeten Kleingruppen hatten jetzt die Aufgabe, die zu ihrer Rubrik gehörigen Kritikpunkte ins Gegenteil zu verkehren, also verbal positiv umzuformulieren. Inspiriert durch diese positiven Sätze sollte im Anschluss durch Malen und Basteln ein gemeinsames visionäres Gruppenbild gestaltet werden. Es entstanden sechs wunderbare, bunte und fantasiereiche Werke, die dann im Plenum ausgestellt wurden.

In der sogenannten 'Brainwriting-Runde' ließen die Teilnehmer*innen die Bilder der anderen Gruppen auf sich wirken. Dabei entstehende Ideen, Gedanken und Assoziationen wurden auf Metakarten geschrieben und dazu geheftet.

ZuWe 2020 Baum Wurzeln Herz

Anschließend fanden sich die Kleingruppen wieder, um die Kommentare zu ihren Bildern zu begutachten und sich zwei Favoriten auszusuchen. Die beiden Favoriten und das Bild sollten dazu dienen, utopische Wünsche 'auszuspinnen'. Dabei waren der Fantasie keine finanziellen, politischen, räumlichen, zeitlichen oder andere Grenzen gesetzt. Alle Ressourcen der Welt sollten zur Verfügung stehen. Die auf diese Weise entstandenen Visionen wurden wieder auf einzelnen Bögen stichpunktartig festgehalten, die im Plenum gesammelt und in Rubriken einsortiert wurden. Hier ein paar Beispiele der 'ausgesponnenen' Fantasien und Utopien für die Zukunft:

  • 'Das 5000. Mitglied im DAKBT wird gefeiert'
  • 'KBT als Lehre vom Leben'
  • 'Alle KBT-Kassenplätze sind ausgebucht – Kostenloser Zugang zur KBT für alle' 
  • 'KBT-Hochschule (mit Stipendium)' 
  • 'Verbundenheit im Wesentlichen'

Ein weiteres Mal wählten die Teilnehmer*innen die Rubrik, mit der sie gerne weiterarbeiten wollten; zum letzten Mal entstanden Kleingruppen in neuer Zusammensetzung, diesmal vier.


      3.3.    Realitäts- und Verwirklichungsphase

Nach einer Kaffeepause war es Zeit für den Übergang in die Realitäts- und Verwirklichungsphase. Die Gruppen bekamen die Aufgabe, die Utopien ihrer Rubrik zu deuten und sie diesmal in die Realität zu übersetzen. Als Zwischenschritt formulierten sie dann Forderungen mithilfe folgender Fragen:

Was müsste geschehen, damit die Wünsche in der Realität umgesetzt werden könnten? Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden und von wem? Was müssten wir von uns selbst fordern?

Im letzten Schritt ging es darum, eine der Forderungen auszuwählen, und dazu erste Projekt- oder Konzeptumrisse zu erarbeiten.


      4.      Projektvorstellung

Das Abschlussplenum bot das Forum für die Vorstellung der vier entstandenen Projekte.

Die erste Gruppe entwickelte den Plan für einen Talentschuppen für die Gremienarbeit auf der nächsten Jahrestagung, um mehr Mitglieder für die Gremienarbeit zu interessieren und zu generieren. Die Mitglieder sollen dabei die Möglichkeit erhalten, ihre individuellen Fähigkeiten herauszufinden, die sie für die Arbeit in einem Gremium qualifizieren. An runden Tischen sollen die „erfahrenen“ Gremienmitglieder für Fragen zur Verfügung stehen. Auch die Möglichkeit zur Hospitation in den Gremien soll gegeben werden.

Die nächste Projektgruppe schlug unter dem Titel KBT FOR YOU! die Bildung einer AG YouTube vor, die in Zusammenarbeit mit der AG Öffentlichkeitsarbeit und einem YouTube-Profi störungsspezifische Mini-Filme anfertigt. Die Bereitschaft zur Mitarbeit unter den Mitgliedern soll bis Ende Mai abgefragt werden. Der Beschluss zur Einrichtung der AG soll dann auf der Jahrestagung gefasst werden.

Unter dem Titel Zukunft jetzt! skizzierte die dritte Gruppe ein Projekt zur Entwicklung von berufsspezifischen Fortbildungen und Selbsterfahrungsangeboten auch für Berufsgruppen außerhalb des klinischen Bereiches. Dazu sollen in berufs- und zielgruppenorientierten Treffen auf der Jahrestagung fachspezifische Fortbildungsmodule entwickelt werden.

Die vierte Projektgruppe erarbeitete ein Konzept, um Austausch über das Wesentliche zu organisieren. Sie schlug einen weitreichenden Diskurs über das Alleinstellungsmerkmal der KBT, zur KBT passende Theorien und zur Entwicklung von KBT-spezifischen Leitsätzen vor. Ursprünglich hatte die Gruppe die Idee, die Jahrestagung 2021 für dieses Projekt zu nutzen. Da diese aber gemeinsam mit dem ÖAKBT in Salzburg stattfinden wird, kam aus dem Publikum der Vorschlag, das Projekt im Rahmen einer Zukunftswerkstatt aufzugreifen.

Auf die Präsentation der Projekte folgte eine abschließende Feedbackrunde. Nach dem Vorbild der Jahrestagung 2019 konnten die Teilnehmer*innen ihr Feedback auf aufgestellten Plakaten festhalten.

Die erste KBT-Zukunftswerkstatt endete mit einer reichen Ernte an neuen Eindrücken und spannenden Projekten, deren erste Schritte bereits geplant sind und zum Teil schon gegangen wurden. Die Werkstatt war ein voller Erfolg, der Lust auf die Fortsetzung dieses Tagungsformates macht.

AG ZuWe 2020 klein

Foto AG: v.l.n.r. Susanne Anna Kümmel, Andrea Balcerzak, Susanne Wagner, Henrik SüßSusanne Wagner