Konzentrative Bewegungstherapie - Wer sind wir? - Was tun wir?

Das Wesentliche der Methode im Wandel der Zeit

Die Jahrestagung 2016 fand in Salzburg als gemeinsame Tagung der europäischen Arbeitskreise für Konzentrative Bewegungstherapie statt. 150 KollegInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Slowakei, Italien und Belgien trafen zusammen, um sich fortzubilden und auszutauschen.

Thematisch fokussierten die Vorträge in diesem Jahr das Profil der KBT.

Die Konzentrative Bewegungstherapie ist seit den Anfängen der Psychosomatik eine bewährte Körperpsychotherapiemethode und gehört mittlerweile zum klinischen Behandlungssetting in etwa 140 psychosomatischen Kliniken in Deutschland.

Als eine Grundlage für die Entwicklung der KBT gilt die Bewegungsarbeit von Elsa Gindler in den 1920er Jahren in Berlin.

Dr. Edith v. Arps-Aubert referierte über „Grabungen im Gindler-Garten".

Als Lehrerin hat sie über die pädagogische Arbeit Elsa Gindlers promoviert und ein modernes Konzept zur Bewegungsschulung von Kindern und Jugendlichen auf der Basis von Gindlers Arbeiten entwickelt. Im Vortrag beeindruckte sie mit detaillierter Recherche z.B. der naturwissenschaftlichen Entsprechungen der Selbstversuche von Elsa Gindler in Bezug auf Gewicht und Schwerkraft.

Edith v. Arps-AubertEdith v. Arps-Aubert

In einem vertiefenden Workshop hatten die Teilnehmer vielfältige Möglichkeiten mit den Themen Aufrichtung, Eigengewicht, Schwerkraft, Boden zu experimentieren.

liegender Mannliegender Mann

Dr. Gudrun Achatz-Petz , Lehrtherapeutin des ÖAKBT, untersuchte in ihrem Referat spezifische Wirkfaktoren der KBT von den Anfängen bis heute. Sie unterstrich ihre Aussagen sowohl mit Zitaten von KBT-PionierInnen als auch mit aktuellen Sichtweisen.

Ihr Fazit macht deutlich, dass eine hohe Identifizierung mit den spezifischen Wirkfaktoren wesentlich die Wirkung der unspezifischen Wirkfaktoren erhöht. Eine aufschlussreiche Bestätigung für die KBT-Weiterbildung: Die Entwicklung der therapeutischen Identität zu fördern und die Passung zwischen Methode und Persönlichkeit zu unterstützen, macht den/die KBT-TherapeutIn glaubwürdig, authentisch und selbstsicher.

Achatz-Petz Dr. GudrunAchatz-Petz Dr. Gudrun

Clara Scheepers-Assmus, Lehrbeauftragte des DAKBT, befasste sich mit der KBT-Identität der KollegInnen und präsentierte Ergebnisse einer Befragung, die sie in Deutschland und Österreich durchgeführt hatte. Sie interessierte sich für Erinnerungen an Schlüsselerfahrungen in der Selbsterfahrung mit KBT. Aus der Auswertung der 62 Fragebögen entnahm Clara Scheepers-Assmus u.a. einen wichtigen Hinweis zur aktuellen Definition der KBT: die nachhaltige Wirksamkeit des Probehandelns durch die Nutzung von Handlungsräumen im KBT-Geschehen und der Transfer dieser Erfahrungen in das Alltagshandeln sollte eine stärkere Betonung bekommen – auch als Profilierung gegenüber anderen Methoden.

Scheepers-AssmusScheepers-Assmus

Mag.a. Harriet Vrana, Lehrtherapeutin des ÖAKBT, präsentierte die im Rahmen Ihrer Masterthesis durchgeführte Studie über den Stellenwert des Körpers in der KBT-Psychotherapie. Sie fand heraus, dass die Akademisierung der KBT-Ausbildung in Österreich nichts an der Relevanz des Körpers für die Kolleginnen verändert hat.

Vrana 2016Vrana 2016

Die beiden Samstagsvorträge behandelten spezielle Einsatzgebiete der KBT .

Frau Dr. Alexandra Kostbra-Steinbrecher, Fachärztin für Psychiatrie, stellte das Konzept der psychosomatischen Tagesklinik Salzburg vor und betonte den Stellenwert der KBT im Setting.

Kostbra-SteinbrecherKostbra-Steinbrecher

Frau Susanne Kucher beschrieb in fesselnden Beispielen den Einsatz der Methode der KBT in der Erwachsenenbildung am Beispiel der Ausbildung zur Heilerziehungspflege.

Kucher 2016Kucher 2016

Der Abschlussvortrag von Dr. Andreas Weber, Philosoph, Biologe und Buchautor, lautete „Wir sind Wirklichkeit - der Körper als poetischer Raum".

Er regte das Publikum durch seine sehr eigene Sichtweise zum Nachdenken an und entließ die interessierten Zuhörer mit dem Auftrag, das eigene „Blühen" zu wagen.

Weber-2016Weber 2016

Neben den Vorträgen fanden Intensivworkshops zu folgenden Themen statt:

Gindler-Arbeit in der Schule (Edith von Arps-Aubert)
Gelb, Rot ,Blau - Mit der KBT Farben erfahren (Katharina Kliestenec)
„Wir sind ein Paar" (Susanne Kloser)
Entfaltung zur KBT-Psychotherapeutin (Ulrike Kühnel)

KBT mit geflüchteten traumatisierten Menschen (Marie-Louise Redel)
KBT und das Konzept der Mentalisierung (Claudia Krüger)
KBT bei Menschen mit Burnout (Jürgen Schultheiß)
Den Atem fließen lassen - im Lebensfluss sein: Leibarbeit Lucie Lentz (Ulrike Tempfli)

Die KBT-Ausbildung ist in Österreich seit 10 Jahren akademisiert in Zusammenarbeit mit der Donau-Universität Krems (DUK). Der DAKBT beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit diesem Zukunftsthema.
Eine gut besuchte Nachmittagsveranstaltung „KBT an der Uni: Erfahrungen in Österreich - Chancen in Deutschland" nutzte das Forum der gemeinsamen Tagung. Österreichische Ausbildungsleiter und Ausbildungskandidaten berichteten von ihren Erfahrungen und ermutigten die deutschen KollegInnen zu weiteren Schritten.

KBT an der Uni 248KBT an der Uni      KBT an der Uni-147KBT an der Uni

Ausführlicher Bericht dazu hier.

KBT ist eine europaweit anerkannte Psychotherapiemethode. Die europäischen KBT-Vereine sind im EAKBT (Europäischer Arbeitskreis für KBT) organisiert und in der EAP (Europäische Assoziation für Psychotherapie) aktiv. Auf der Jahresversammlung des EAKBT berichteten die neu gewählten Delegierten (Barbara Karlin und Katarina Kliestenec) von der EAP-Tagung in Zagreb und warben für Beteiligung von KBT-Referenten auf internationalen Kongressen.

EAKBT-Deligierte Karlin KliestenecEAKBT-Delegierte Kliestenec und Karlin

Eine der Abendveranstaltungen war der „KBT im Wandel der Zeit" gewidmet. In einem Kamingespräch – moderiert von Martin Pfäfflin – stellten sich Christine Gräff, Renate Schwarze, Hedwig Illichmann, Ulrike Tempfli und Rudolf Kost vor einem gespannt lauschendem Publikum den Fragen nach den Veränderungen der KBT von ihren Anfängen bis heute.

KamingespraechKamingespräch

Eine schöne Tradition der KBT-Tagungen wurde auch diesmal wieder freudig erwartet und bewegungsfroh gestaltet: der Festabend mit Tanz! Silja Falkenhagen begrüßte die Festgäste mit ihrer Gitarre und brachte alle in Stimmung zum gemeinsamen Singen. Ein besonderer Höhepunkt des Festabends war die Feier zu Ehren von Christine Gräffs 80. Geburtstag.

Falkenhagen Gitarre  2016Bild Falkenhagen Gitarre 2016          Graeff GeburtstagGräff Geburtstag

Die beiden Vorstände der österreichischen und deutschen KBT-Vereine (Elisabeth Oedl-Kletter und Roland Brückl) erfreuten Christine Gräff und begeisterten alle Zuhörer mit einem heiteren Sketch.

Brückl-Oedl-Kletter-SketchBrückl-Oedl-Kletter-Sketch

Auf der Abschlussveranstaltung bedanken sich der DAKBT und alle Tagungsgäste mit einem langem Applaus bei der Vorbereitungsgruppe (Eva Eggerth-Seilinger, Brigitte Eulenpesch, Elisabeth Oedl-Kletter und Martin Pfäfflin).

VoBe-Gruppe 2016VoBe-Gruppe 2016

Nicht fehlen darf der Ausblick: die nächste Jahrestagung des DAKBT wird vom 12. bis 15. Oktober 2017 in Wiesbaden stattfinden.

Zum Ausklang noch ein ganz anderer Blick von vier KollegInnen, die als „österreichischer KBT-Nachwuchs" zum ersten Mal auf einer KBT-Jahrestagung waren.
pdfBericht_österreichsicher_KBT-Nachwuchs.pdf.

Bericht: Christine Breitenborn und Anke Hamacher-Erbguth; Fotos: Eva Eggerth-Seilinger