Mockler-Sigle, Regina (2024)
"Finde ich meinen Körper, so finde ich mich selbst." Vladimir Illijine
Körperbild und Körperschema in Verbindung mit der Konzentrativen Bewegungstherapie
Dass der Körper Ausgangspunkt und Ende unserer Existenz ist, wird kaum jemand bestreiten. In der KBT ist der Körper zentraler Zugang und Schwerpunkt für uns als Therapeut:in, z.B. im körperlichen Übertragungsgeschehen, als auch in der Arbeitsweise mit den Patient:innen. Die vorliegende Arbeit stellt den Körper in unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Verknüpfungen in den Mittelpunkt.
In Kapitel 1 steht die Wechselwirkung zwischen Soma und Psyche im Fokus.
Durch neurobiologische Forschung gelang es, diese wissenschaftlich zu belegen. Insbesondere die Errungenschaft der bildgebenden Verfahren des Gehirns ermöglichten einen sichtbaren Beleg der Netzwerke. Gehirn und Körper stehen miteinander in einer untrennbaren Beziehung. Diese Beziehung besteht von Anfang an (Embryonalentwicklung) und entwickelt sich in wechselseitiger Abhängigkeit ständig weiter.
Kapitel 2 beleuchtet die Denk-und Arbeitsweise Elsa Gindlers, die den Körper nicht nur in seiner Funktionalität betrachtete, sondern den vielschichtigen Ausdruck des Menschen in ihm sah. Sie gilt heute als Begründerin einer somatischen Psychotherapie.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand nicht der menschliche Körper, sondern der Mensch als Ganzes in all seinen Beziehungsmöglichkeiten: Zu sich, zu seinem Körper, zu seinem Leben und zu seiner Umwelt. Die Arbeitsweise Elsa Gindlers wurde durch Prof. Helmuth Stolze theoretisch untermauert. Er verbindet den „kinästhetischen Gestaltkreis“ Viktor von Weizäckers (1939) mit dem „verbalen Gestaltkreis“ Jean Piagets (1947) zum „Gestaltkreis des Begreifens“(1972) und prägte den Namen „Konzentrative Bewegungstherapie".
In der Konzentrativen Bewegungstherapie haben wir die Möglichkeit, entweder über das „Sprechen und Denken“ zum „Wahrnehmen und Bewegen“ zu führen oder umgekehrt, damit ein „Begreifen“ auf unterschiedlichen Ebenen erfahrbar werden kann. Die Wechselwirkung zwischen Soma und Psyche ist sowohl in Gindlers Arbeitsweise als auch in der KBT vorhanden. KBT erreicht und verändert nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche und die biologischen Strukturen des Gehirns.
Kapitel 3 befasst sich mit den Teilaspekten und Dimensionen des Begriffs „Körpererleben“ unter Einbeziehung verschiedener Autoren wie Röhricht et al. (2005) und Küchenhoff (2013).
Die Kapitel 4 und 5 widmen sich den Begriffen „Körperschema" und „Körperbild".
Neben einer Begriffsbestimmung werden die historischen Hintergründe der Begriffe und deren Grundannahmen intensiv beleuchtet. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung des Körperbildes, da diesem in der KBT-Arbeit eine besonderen Gewichtung zufällt.
Fallbespiele aus klinischen Settings und Beispiele zu Störungsbildern verdeutlichen die Unterscheidung zwischen den Begriffen.