Für den EAKBT (Europäischer Dachverband für KBT) waren die DAKBT-Mitglieder Barbara Karlin (Vizepräsidentin des EAKBT, München) und Katarina Kliestenec (Delegierte des EAKBT, Zürich) auf der Jahreskonferenz des EAP (Europäischer Psychotherapie-Verband) vom 23. bis 25. Februar in Wien.

Die Jahreskonferenz stand im Zeichen der Verabschiedung des hoch verdienten Präsidenten Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz. Er war seit 1991 einer der Gründungsmitglieder und Leitfiguren des EAP. 128 Organisationen aus 41 Ländern mit mehr als 120.000 Psychotherapeuten sind im EAP repräsentiert. Der EAKBT hat seit 2006 im EAP den EWAO-Status (European Wide Accrediting Organisation) erlangt, über den lediglich 20 der 128 Organisationen des EAP verfügen. Seinerzeit hatten Barbara Bayerl und Marie-Louise Redel (beide aus Berlin) als Mitglieder des DAKBT erfolgreich die große Aufgabe übernommen, die umfangreichen Aufnahmeformalitäten zu erarbeiten und den Antrag zu stellen.

Jetzt auf der Jahreskonferenz 2017 in Wien hielt Alfred Pritz einen Vortrag über den Werdegang der EAP und zeigte darin seine fundierte Expertise, seine internationalen Verbindungen und seine Visionen für die Zukunft der Psychotherapie in Europa und der Welt. Mit der Gründung der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wien hat er europaweite Maßstäbe gesetzt für die akademische Ausbildung von Psychotherapeuten. Aufgrund seiner Verdienste ist er zum Ehrenpräsidenten der EAP ernannt worden.

Als Nachfolger im Amt des Präsidenten des EAP wurde einstimmig Philippe Vrancken aus Belgien gewählt. In seiner Antrittsrede setzte er sich für Sicherung der grenzüberschreitenden Rechte von Psychotherapeuten in Europa ein. Er will die Institution EAP für die Mitgliederinteressen stärken und eine bessere Kommunikation über eine Internet-Plattform ermöglichen. Eine Überprüfung der Arbeitsgruppen und ihrer Wirkmechanismen wurde bereits in Angriff genommen. Außerdem hat Philippe Vrancken das Ziel die Interessen des EAP auf internationaler Ebene politisch stärker zu vertreten.

Für die Unterstützung von Hilfsprojekten für Psychotherapeuten in Krisengebieten und für Flüchtlinge wurde auf der diesjährigen EAP Jahreskonferenz ein Spendenfond gegründet - ein Mony Elkaim Trust Fund, zu Ehren eines der früheren EAP-Präsidenten. Bereits in diesem Jahr wurde mit Hilfe des EAP und anderen Organisationen für traumatisierte Psychotherapeuten aus dem Kriegsgebiet der Ukraine ein mehrtägiger Aufenthalt in Wien zur Unterstützung und Schulung durchgeführt – zur großen Zufriedenheit aller Beteiligter.

Ganz aktuell kam es zur Gründung einer neuen Arbeitsgruppe im EAP unter dem Vorsitz von Barbara Karlin, DAKBT-Mitglied aus München. Der Auftrag der Arbeitsgruppe liegt darin, die Implikationen und Auswirkungen des PAS- Syndrom (Parental Alienation Syndrome oder Syndrom der Elternentfremdung) zu klären. Seit über 30 Jahren wird der Begriff von Richard A. Gardner verwendet. Er versteht darunter eine Störung des Kindesalters, die fast ausschließlich im Zusammenhang mit Sorgerechtsstreitigkeiten auftritt. Die Störung äußert sich hauptsächlich in einer Ablehnungshaltung des Kindes gegenüber einem Elternteil, die in keiner Weise nachvollziehbar ist. Diese Haltung entsteht aus dem Zusammenwirken von Indoktrinierung durch einen programmierenden (eine Gehirnwäsche betreibenden) Elternteil und dem eigenen Beitrag des Kindes zur Verunglimpfung des zum Feindbild gewordenen anderen Elternteils. Bei Kindesmissbrauch und/oder Vernachlässigung – wenn die Feindseligkeit begründet ist – darf das PAS Syndrom als Erklärung für die feindliche Haltung nicht herangezogen werden.

Nach Wilfrid von Boch-Galhau gibt es für das PAS-Konzept drei Hauptelemente:

a.    Ablehnung oder Verunglimpfung eines Elternteils, die das Ausmaß einer Kampagne erreichen
b.    Die feindselige Ablehnungshaltung ist irrational
c.    Sie ist Teilresultat des Einflusses des entfremdenden Elternteils.

Von der Arbeitsgruppe Psychotherapie und Religion, spirituelle Praxis und esoterische Methoden wurde eine Richtlinie empfohlen, wie sie bereits 2014 in Österreich verabschiedet wurde. Alle Inhalte sind generell und ausreichend abgedeckt, auch wenn sie nicht explizit ausgewiesen sind, in den Ethischen Prinzipien der EAP und den beruflichen Empfehlungen für Psychotherapeuten der EAP, die auf der EAP Webseite zu finden sind: www.europsyche.org

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich als weiteres wichtiges Thema mit den Formen der Geschlechtsumwandelnden Therapien.

Zum Abschluss ein wichtiger Termin: der 8. Weltkongress der Psychotherapie in Paris vom 24. – 28. Juli 2017 mit dem Thema: Leben und Liebe im 21. Jahrhundert.

Barbara Karlin