20.08.2007
Wenn Stress Körper und
Seele belastet
Möglichkeiten der Konzentrativen
Bewegungstherapie (KBT) zum individuellen Umgang mit Stressbelastungen
Stress ist nicht
zu vermeiden. Ist er nach eigener Einschätzung
problemlos zu bewältigen, so wirkt er sogar aktivierend
und fördert die Selbstentwicklung. Nach Prof. J.
Bauer („Das Gedächtnis des Körpers“)
ist die biologische Reaktion auf Belastungen (Stress)
von Person zu Person unterschiedlich. Entscheidend für
die körperliche und seelische Reaktion auf eine
äußere Situation ist – von Extremsituationen
abgesehen – nicht die objektive Lage sondern die
subjektive Bewertung durch die Seele und durch das Gehirn.
Wie die Bewertung ausfällt, hängt von den
bisherigen Erfahrungen jedes einzelnen Menschen ab,
die in seinen Nervenzell-Netzwerken gespeichert sind
und mit denen sein Gehirn die aktuelle Situation abgleicht.
Hält der Stress
über einen längeren Zeitraum an und
hat ein bestimmtes Ausmaß erreicht, hemmt er das
Immunsystem und verhindert die Erholung auch in Ruhephasen.
Man braucht dann viel mehr Zeit für das gewohnte
Arbeitspensum, wird müde und lustlos, hat auch
in der Freizeit keinen Antrieb mehr und kann Erfolge
nicht mehr genießen. So geraten Belastung und
Entlastung aus dem Gleichgewicht. Burnout- und andere
stressbedingte Erkrankungen entstehen.
Dann können
körperliche Beschwerden auftreten: wie z.
B. Kopfschmerzen, Hypertonie, Herz-KreislaufProbleme,
Schwindelsymptome, Magen-Darm-Beschwerden, Muskel- und
Rückenschmerzen, verminderte Immunabwehr, Krankheitsanfälligkeit.
Aber auch seelisch-geistige Beschwerden zeigen sich:
emotionale Erschöpfung, Sinnverlust und Gefühl
der Wertlosigkeit der eigenen Arbeit, Verlust der Wertschätzung
gegenüber der eigenen Person und gegenüber
anderen, Zynismus, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
(Zusammenstellung von Prof. J. Bauer: Stress und Burnout:
Seelische Gesundheit im Beruf)
Die Beziehungsgestaltung
zu sich selbst und anderen wirkt entscheidend auf die
körperlich-seelische Gesundheit. Zwischenmenschliche
Beziehungserfahrungen formen schon ab der praenatalen
Zeit die neuronale Struktur unseres Gehirns und steuern
neuroendokrinologisch (über hormonelle Botenstoffe)
den Gesamtorganismus. Die Bedürfnisse des eigenen
Organismus zu kennen und zu beachten, die persönlichen
Grenzen auszuloten und in die Beziehung zu anderen konstruktiv
einbringen zu können, sind Grundvoraussetzungen
für ein erfüllendes Privat- und Berufsleben.
Dann wirken zwischenmenschliche Beziehungen positiv
regulierend auf Stressbelastungen des Alltags.
Mit Hilfe angeleiteter
Körperwahrnehmung in Ruhe und Bewegung sowie
im achtsamen Umgang mit dem Atem kann das Zusammenwirken
von innerer Anspannung und körperlichen Reaktionen
erkennbar und veränderbar werden. Durch die methodenspezifische
Arbeit der KBT mit Gegenständen können auf
einer zunächst symbolischen Ebene die Zusammenhänge
der Stressreaktionen mit der eigenen Lebensgeschichte
erfahren werden und neue Handlungsmuster erprobt werden.
Dabei können bereits erste Differenzierungen zwischen
biographisch verankerten Bedingungen (z. B. eine erhöhte
Stresssensibilität) und den aktuellen Belastungsfaktoren
eintreten. So kann ein gesundes Maß zwischen Distanzierungsfähigkeit
und Engagement gefunden werden.
Durch den wahrnehmungs-
und handlungsorientierten Ansatz der KBT werden folgende
Ziele angestrebt:
o die Förderung der Achtsamkeit im Umgang mit sich
selbst und anderen
o eine differenziertere Wahrnehmung der Handlungs- und
Beziehungsgestaltungen
o die Zunahme von sozialer Kompetenz und Selbstvertrauen
o eine Neubewertung der belastenden Stresssituationen
durch Veränderungen im Beziehungserleben
o die gesunde Balance zwischen beruflichem und privatem
Leben wieder zu finden.
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