Bibliographische
Angabe
Wernsdorf, T. (1998). Konzentrative Bewegungstherapie
und Ich-Erleben. Eine Veränderungsmessung an psychosomatischen
PatientInnen. Unveröff. Dipl.Arbeit, Universität
Wien.
Fragestellung / Hypothesen
Führt KBT in der stationären Behandlung psychosomatisch
erkrankter Patienten zu einer Veränderung des psychischen
und körperlichen Ich-Erlebens (Selbstbild, Körpererleben,
Ich-Funktionen) und der Befindlichkeit? Welche Ergebnisse
zeigen sich diesbezüglich bei Patienten mit Ess-Störungen?
Haben Merkmale des Erlebens, des sprachlichen Ausdrucks
und der Beziehungsfähigkeit in der KBT eine Bedeutung
in Hinblick darauf, welche Bedeutung die KBT für
Patienten erhält?
Stichprobe
59 Patienten (76% Frauen) einer psycho-somatischen Abteilung
(mit den Erstdiagnosen 61% Ess-Störungen, 14% Angststörungen,
10% depressive Episoden, 8% Somatisierungsstörungen,
3% Konversionsstörungen, 3% Persönlichkeitsstörungen),
von denen 30 Personen durchschnittlich 24 Stunden KBT
als Gruppenbehandlung über einen Zeitraum von acht
Wochen erhielten.
Untersuchungsdesign
Experimentelles Design mit Prä-Post-Messung und randomisierter
Zuweisung: Stationäres Behandlungsangebot mit verbaler
Einzel- und Gruppentherapie, Mal- und Musiktherapie ein-schließlich
(Untersuchungsgruppe) und ohne KBT-Gruppenbehandlung (Kontrollgruppe).
Datenerhebungsverfahren
Prä-Post-Messung mit dem Gießen-Test (GT; Beckmann,
Brähler & Richter, 1990), dem Rorschach-Test
(Rorschach, 1994) mit Auswertungsmethodik
nach Exner (1993), dem Fragebogen
zur Beurteilung des eigenen Körpers (FBeK; Strauß
& Richter-Appelt, 1995), der Befindlichkeitsskala
(Bf-S; Zerssen, 1976a) sowie
zusätzliche Post-Erhebung bei der Unter-suchungsgruppe
mit dem neu konstruierten Fragebogen zur persönlichen
Einschätzung der KBT.
Datenauswertungsverfahren
Deskriptiv- und inferenzstatistische Auswertung.
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Ergebnis
Bezüglich des Selbst- (GT) und Körpererlebens
(FBeK) ergeben sich sowohl für die Kontroll- als
auch KBT-Gruppe keine Veränderungen im Verlauf
der Behandlung. Eine Ausnahme bildet die Grundstimmung
(GT), die sich sowohl in der KBT- als auch Kontrollgruppe
signifikant verbessert. Ebenfalls verbessert sich die
Befindlichkeit in der KBT-Gruppe, hingegen nicht in
der Kontrollgruppe. Hinsichtlich der Ich-Funktionen
(Rorschach-Test) ist eine erniedrigte Impulskontrolle
(X+%) in der KBT-Gruppe festzustellen, die sich in der
Kon-trollgruppe nicht findet; für die Indizes zum
Widerstand (Lamda), Ich-Schwäche (EEI) und Qualität
der Objektbeziehungen (HEV) sind weder in der KBT- noch
Kontrollgruppe Verän-derungen zu finden. Teilweise
differentielle Ergebnisse ergeben sich für Patienten
mit Ess-Störungen: Die essgestörten Patienten
der KBT-Gruppe zeigen am Ende der Behandlung ei-nen
erhöhten Widerstand (Lamda), geringere Ich-Schwäche
(EEI) und verbesserte Objektbe-ziehungen (HEV), was
für diejenigen Patienten der Kontrollgruppe nicht
nachgewiesen werden kann. Im Fragebogen zur persönlichen
Einschätzung der KBT ergeben sich signifikante
Korrelationen für diejenigen Items, die inhaltlich
Aspekte des Erlebens, des sprachlichen Ausdrucks und
der Beziehungsfähigkeit in der Gruppe erfassen.
Insbesondere die Items “Öffnen gegenüber
anderen in Form von Körperbewegungen”, “Umgang
mit Nähe und Distanz in der Gruppe” sowie
“Bewusstmachen unklarer Erlebnisse und Wahrnehmungen
durch Gespräche” weisen einen hohen Zusammenhang
zur Einschätzung der Bedeutsamkeit der KBT auf
(Rho > 0.70). Die KBT wird von 60% der Patienten
neben der verbalen Einzeltherapie (93%) als hilfreichstes
Therapieform im Rahmen der stationären Behandlung
betrachtet; Maltherapie (27%), Gesprächsgruppentherapie
(23%), Musiktherapie (13%) und Autogenes Training (3%)
kommt hingegen eine geringere Bedeutung zu. Essgestörte
Patienten sprechen der verbalen Einzeltherapie sowie
der KBT mit 100% bzw. 79% eine noch deutlichere Präfe-renz
zu.
Anmerkung
Von der Autorin werden die von ihr in den Tabellen angegebenen
signifikanten Ergebnisse zur Grundstimmung (GT) und
zur Impuls-kontrolle (Rohrschach-Test: X+%) nicht interpretiert.
Eine Interpretation der Ergebnisse zu den Rohrschach-Indizes
ist aufgrund deren Mehrdeutigkeit erschwert. So werden
z.B. mit dem Extended-Form-Quality-Index (X+%) atypische
Stimuliverarbeitungsweisen erfasst, die neben mangelnder
Impulskontrolle auch auf Denk- und Wahrnehmungsstörungen,
Demonstration eigener Individualität, mangelnde
Realitätsprüfung oder Aufmerksamkeit beruhen
können.
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