Bibliographische
Angabe
Goll, A. (1989). Konzentrative Bewegungstherapie: Ausbildung
und Anwendungsbereich. Eine empirische Unter-suchung.
Unveröff. Dipl.Arbeit, Universität Heidelberg
[in Auszügen 1994: Konzentrative Bewegungstherapie,
23, 48-99].
Fragestellung / Hypothesen
Im wesentlichen: (1) Von wem wird KBT ausgeübt? Welche
Qualifikationsmerkmale weisen KBT-Therapeuten auf? (2)
Wie wird die Weiterbildung in KBT im Hinblick auf die
Arbeitspraxis bewertet? (3) Was sind die Tätigkeitsfelder
von KBT-Therapeuten? (4) In welchem äußeren
Rahmen (Organisationsform und Therapie-Setting) ist KBT
in den verschiedenen Arbeitsfeldern eingebunden? (5) Welchen
Stellenwert nimmt KBT im Gesamtkonzept einer Institution
ein? Wie schätzen überweisende Ärzte und
Psychologen die Arbeit von KBT-Therapeuten ein? (6) Welche
Indikationskriterien für die KBT spielen bei überweisenden
Ärzten und Psychologen eine Rolle?
Stichprobe
176 KBT-Therapeuten (von 315 angeschriebenen), 34 Ärzte
bzw. Psychologen (von 50 angeschriebenen) aus fünf
psychosomatisch-psychotherapeutischen bzw. psychiatrischen
Kliniken.
Untersuchungsdesign
Explorative Befragung im Rahmen einer Berufsfeldforschung.
Datenerhebungsverfahren
Fragebogen mit vorgegebenen Antwortkategorien und offenen
Fragen; aus den Antworten zu letzteren wurden durch inhaltsanalytische
Analyse Kategorien für die weitere quantitative Auswertung
gewonnen.
Datenauswertungsverfahren
Deskriptivstatistische Datenanalyse, teilweise ergänzt
mit inferenzstatistischen Verfahren zu Überprüfung
von Abweichungen einzelner Untergruppen.
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Ergebnis
(ad 1) 79.9% der KBT-Therapeuten sind Frauen, die Altersspanne
erstreckt sich von 27 bis 72 Jahre (M = 43.7, SD = 10.2).
Die Verteilung der Grundberufe der KBT-Therapeuten unterscheidet
sich von den repräsentativen Erhebungen von Psycho-therapeuten,
da Medizin und Psychologie als Grundausbildungen nicht
vorherrschend sind. 54% haben andere psychotherapeutische
Weiterbildungen angefangen bzw. abgeschlossen. (ad 2)
Die KBT-Weiterbildung wird vor allem mit dem Ziel der
beruflichen Qualifizierung (24.8%), der Selbsterfahrung
(23.4%) und des Erwerbs praktischer Fähigkeiten (22.6%)
begonnen. Im Ergebnis führt die Weiterbildung vor
allem zur Sensibilisierung und Differenzierung körper-licher
Wahrnehmungsfähigkeit (25.3%), zum Erwerb praktischer
Fähigkeiten (25.3%) und wird als Ergänzung eines
eigenen therapeutischen Prozesses erlebt (20.1%). Auf
einer Skala, die von “1 = gut vorbereitet”
bis “6 = wenig vorbereitet” geht, wird die
Weiterbildung im Durchschnitt mit 3.0 (SD = 1.27) in Hinblick
auf die Anforderungen ihrer Arbeit von den KBT-Therapeuten
bewertet, wobei sich die Absolventen der Weiterbildung
wesentlich besser vorbereitet fühlen, als diejenigen,
die sich noch in der Weiterbildung befinden. Hinsichtlich
der Bewertung der einzelnen Ausbildungsabschnitte zeigt
sich vor allem, dass die theoretische Ausbildung als unzureichend
kritisiert wird (19.0%), der verbalen Aufarbeitung und
Reflexion mehr Gewicht zukommen sollte (15.8%) und die
Selbsterfahrung in KBT Selbstvertrauen für das eigene
berufliche Handeln vermittelt (14.5%). (ad 3) In Institutionen
arbeiten 52.6% der KBT-Therapeuten, 27.7% in freiberuflicher
Praxis und 19.7% sowohl in Institutionen als auch in freiberuflicher
Praxis. Bei den Institutionen handelt es sich vor allem
um Psychosomatische Kliniken (30.3%) und Psychiatrische
Kliniken (20.2%). Eine psychoanalytische Grundorientierung
findet sich bei 62.6% der Institutionen, in denen KBT-Therapeuten
arbeiten. Einzeltherapie wird von 44.3% und Gruppentherapie
von 55.7% der KBT-Therapeuten ausgeübt. (ad 4) Es
werden Angaben zum institutionellen Kontext der KBT in
psychosomatischen Kliniken, psychiatrischen Kliniken,
Fachkliniken, Beratungsstellen und Ausbildungsschulen
gemacht. Des Weiteren werden Merkmale zur Gestaltung des
Settings von Einzel- und Grup-pentherapie angeführt.
Der Durchschnittswert für die Mindestanzahl von therapeutischen
Kontakten beträgt für Einzeltherapie 23 Termine
(in freien Praxen) bzw. 16 Termine (in Insti-tutionen)
und für Gruppentherapie 16 Termine. Als maximale
Anzahl von therapeutischen Kontakten werden im Durchschnitt
für Einzeltherapie 121 Termine (in freien Praxen)
bzw. 76 Termine (in Institutionen) und für Gruppentherapie
46 Termine genannt. (ad 5) Aus Sicht der KBT-Therapeuten
in Institutionen kommt der Stellenwert der KBT in ihrer
Einrichtung auf einer Skala, die von “1 = sehr hoch”
bis “6 = sehr niedrig” geht, im Durchschnitt
ein Wert von 2.8 (SD = 1.5) zu. Der Stellenwert der KBT
in psychoanalytischen Institutionen, in Ein-richtungen,
wo die KBT durch die Leitung eingeführt wurde, und
in psychosomatischen Fachkliniken wird dabei signifikant
höher angesiedelt. Ärzte und Psychologen in
Institutionen mit KBT geben für den Stellenwert dieser
im Durchschnitt auf obiger Skala einen Wert von 2.1 (SD
= 1.1) an. (ad 6) Die Indikation zur KBT wird von überweisenden
Ärzten bzw. Psychologen vor allem bei Vorliegen von
Störungen des Körpererlebens (44.1%), bei intellektualisierender
Abwehr (20.5%) und Störungen der präverbalen
Konfliktebene (20.5%) gesehen.
Anmerkung
Seit 1993 ist eine neue Weiterbildungsordnung für
die Ausbildung zum KBT-Therapeuten gültig, die zu
einigen deutlichen inhaltlichen Veränderungen in
der Ausbildung insbesondere in Hinblick auf die Vermittlung
von Methodik und Theorie geführt hat.
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